Anwälte | Architektenrecht/Ingenieursrecht | 11.11.2017

ENERGIEEINSPARNACHWEIS MANGELHAFT: WELCHEN SCHADEN MUSS DER PLANER ERSETZEN?

Der Fall:

Der Bauherr lässt ein Bauvorhaben errichten, für das der Berater einen fehlerhaften Energieeinsparnachweis (EnEV-Nachweis) erstellt. Der Bauherr hat auf Grundlage des EnEV-Nachweises eine nicht ausreichende Wärmepumpen-Heizung eingebaut; die Anlage wird durch Elektro-Heizungen ergänzt. Der Bauherr macht geltend, er müsse die Heizung umbauen und zusätzlich einen Kaminofen einbauen; den notwendigen Betrag beziffert er mit circa 10.000 €, den er als „Vorschuss“ geltend macht. Nach Abweisung der Klage durch das Landgericht verfolgt der Bauherr seinen Anspruch in der Berufung weiter.

Die Entscheidung:

Das OLG Frankfurt verneint eine zurechenbare Verursachung des Schadens durch den Berater!

Zweifellos hatte der Berater einen fehlerhaften EnEV-Nachweis erstellt. Dies hat zur Folge gehabt, dass der Bauherr eine unterdimensionierte Heizung eingebaut hat. Damit wäre eigentlich eine Kausalität im Sinne einer Adäquanz gegeben; denn der fehlerhafte Nachweis kann nicht hinweggedacht werden, ohne dass der Schaden entfällt; auch ist ein Schadenseintritt nicht völlig unwahrscheinlich. Allerdings muss auch ein sogenannter „Zurechnungszusammenhang“ vorliegen; dieser ist nur gegeben, wenn die verletzte Pflicht gerade den Zweck hatte, den Auftraggeber vor dem eingetretenen Schaden zu bewahren. Der EnEV-Nachweis bezweckt aber nicht, dem Auftraggeber die korrekte Dimensionierung der Heizung zu ermöglichen, sondern dient einzig dem Nachweis der energetischen Qualität eines Gebäudes im Rahmen der Baugenehmigung. Dagegen basiert die Dimensionierung der Heizung auf der Heizlastberechnung; diese unterscheidet sich wesentlich vom EnEV-Nachweis. Folglich besteht kein zurechenbarer Zusammenhang zwischen dem fehlerhaften EnEV-Nachweis und der unzureichenden Heizungsanlage.

Mit dieser Begründung hat das OLG Frankfurt den Anspruch des Bauherrn richtigerweise zurückgewiesen.

(OLG Frankfurt, Beschluss vom 15. Dezember 2014 – Az.: 18 U 38/14)

Anmerkung:

Der Bauherr hat den EnEV-Nachweis zumindest falsch verstanden:

Er hat hieraus mehr abgeleitet als vorgesehen. Ein EnEV-Nachweis schützt nicht vor einer unzureichenden Heizungsanlage. Der Bauherr hat schlicht die Aufstellung einer Heizlastberechnung versäumt.

Der geltend gemachte „Vorschussanspruch“ konnte nur der Mängelbeseitigung dienen. Mangelhaft war nur der Nachweis selbst; die unzureichende Heizung stellt demgegenüber einen Folgeschaden dar, der als Schadensersatzanspruch geltend gemacht werden müsste; gegebenenfalls kann eine Vorschussklage als Klage auf Schadenersatz ausgelegt werden.

Anfrage stellen

Persönliche Nachricht
H6Q         B3U      
  4    A      O   PQP
DEN   6CP   BKD      
Q      4      R   AQ1
T1M         71U      

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder

Weitere verwandte Beiträge

Anwälte | 22.01.18
Jörg Diebow

WIDERRUFLICHKEIT VON ARCHITEKTENVERTRAG?

Der Fall:Der Auftraggeber hat als Verbraucher am 26. März 2015 in seinem Fahrzeug durch Aushändigung des von ihm …

Anwälte | 15.01.18
Jörg Diebow

STUFENWEISE BEAUFTRAGUNG VON ARCHITEKTEN – NEUES BAUVERTRAGSRECHT:

Das ab dem 1. Januar 2018 gültige neue Bauvertragsrecht hat auch auf Architekten- und Ingenieurverträge erhebliche …

Anwälte | 15.01.18
Jörg Diebow

OHNE KOSTENRAHMEN KEINE HAFTUNG FÜR BUDGETÜBERSCHREITUNG!

Der Fall:Im Frühjahr 2010 beauftragte die Klägerin die Beklagte, die ein Institut für Geomantie, Medizin und …

Anwälte | 08.01.18
Jörg Diebow

NEUES BAUVERTRAGSRECHT – VORBEREITUNG DES ARCHITEKTENVERTRAGES – ZIELFINDUNGSPHASE:

Das zum 1. Januar 2018 in Kraft tretende neue Bauvertragsrecht regelt erstmals grundlegende rechtliche Bedingungen für …

Alle verwandten Beiträge

Weitere Beiträge von Jörg Diebow

Anwälte | 22.01.18
Jörg Diebow

WIDERRUFLICHKEIT VON ARCHITEKTENVERTRAG?

Der Fall:Der Auftraggeber hat als Verbraucher am 26. März 2015 in seinem Fahrzeug durch Aushändigung des von ihm …

Anwälte | 15.01.18
Jörg Diebow

STUFENWEISE BEAUFTRAGUNG VON ARCHITEKTEN – NEUES BAUVERTRAGSRECHT:

Das ab dem 1. Januar 2018 gültige neue Bauvertragsrecht hat auch auf Architekten- und Ingenieurverträge erhebliche …

Anwälte | 15.01.18
Jörg Diebow

OHNE KOSTENRAHMEN KEINE HAFTUNG FÜR BUDGETÜBERSCHREITUNG!

Der Fall:Im Frühjahr 2010 beauftragte die Klägerin die Beklagte, die ein Institut für Geomantie, Medizin und …

Anwälte | 08.01.18
Jörg Diebow

NEUES BAUVERTRAGSRECHT – VORBEREITUNG DES ARCHITEKTENVERTRAGES – ZIELFINDUNGSPHASE:

Das zum 1. Januar 2018 in Kraft tretende neue Bauvertragsrecht regelt erstmals grundlegende rechtliche Bedingungen für …

Alle Beiträge des Autors

Beitrag verfasst/eingestellt von

Rechtsanwalt Jörg Diebow

Jörg Diebow
Rechtsanwalt

Seit 2011 bin ich in unserer Fachanwaltskanzlei für die Bereiche des Baurechts und des Architektenrechts sowie für das gesamte Immobilienrecht zuständig, dies seit 2014 als „Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht".
Weiter bearbeite ich das Miet- und Pachtrecht sowie das Wohnungseigentumsrecht; seit 2016 führe ich …

Zum Profil

Unsere Partner