Sachverständige | Sachverständige/r für Bautechnik | 08.02.2018

Flüssigfolienanschlüsse an anschließende Bauteile - Teil 2

Anschlüsse an andere Abdichtungsarten.

Flüssigfolienanschlüsse an besandete Bitumenabdichtungsbahnen:
35,15% der Befragten hielten dies für eine mögliche Dauerhafte Abdichtungsart.
47,7% hielten dies für keine gute Abdichtungsart.
12,97% hielten diese Art der Abdichtung für eingeschränkt einsetzbar.
4,18% machten keine Angaben. Summa: Es gibt keine Mehrheit für die Anschlussart.

Meine Ansicht:
Nach meinen Erfahrungen ist dies auch aus folgenden Gründen nicht möglich: Schon wegen den unter-schiedlichen Erweichungspunkten der beiden Materialien Kunststoff und Bitumen, ist eine dauerhafte Verbindung nicht möglich und auch die uneinheitliche Schichtdicke des Flüssigkunststoffes in Körnungszwischenräumen und über der Körnung erzeugen Zugkräfte, die an der Besandung ziehen und den Kunst-stoff und den Sand vom erwärmten Bitumen abschälen. Die Wasseraufnahme und die Wasserdampfbildung der verschiedenen Besandungen sind auch zu berücksichtigen. Wobei dies bei einer reinen Quarzsandberieselung keine Rolle spielt. Sehr empfindlich reagieren aber Schieferbeschichtungen auf Wasser. Schiefer neigt unter Wassereinfluss zum Aufquellen, dadurch wird die Haftung der Flüssigfolie geschädigt. Besonderes Augenmerk ist auf die Materialenden und die dort angreifenden Zugkräfte zu richten. Diese sind am stärksten Risse gefährdet. Gewebeeinbettungen in den Flüssigkunststoff sind auf die Dauer leider auch nur sehr eingeschränkt wirksam. Auch die Besandung des Kunststoffes in eine zusätzlich aufgetragene Kunststoffschicht und „Sand“ wirkt nur schadenaufschiebend.

Flüssigfolienanschlüsse an nackte Bitumenabdichtungsbahnen:

48,12% der befragten Sachverständigen hielten das für eine dauerhafte Abdichtungsmöglichkeit.
30,13% hielten eine solche Abdichtung für nicht möglich und
5,9% für eingeschränkt dauerhaft möglich.
5,85% machten keine Angaben. Summa: Hier hielt die Mehrheit der Abstimmenden eine Dauerhafte Verbindung für möglich.

Meine Ansicht:
Nach meinen langjährigen Erfahrungen ist eine dauerhafte Verbindung beider Stoffe nicht möglich. Die unterschiedlichen Stoffausdehnungen und die differierenden Erweichungspunkte lassen eine dauerhafte Verbindung zwischen der Flüssigkunststoffbeschichtung und der Bitumenbahn nicht zu. Selbst die Bewehrung des Flüssigkunststoffes und der notwendige UV-Schutz hat nur sekundäre Auswirkung auf die Dauerhaftigkeit der Verbindung. Hier wird sich der Kunststoff innerhalb weniger Jahre ablösen oder durch das Bitumen zersetzen.

Flüssigfolienanschlüsse an Kunststoff- oder Elastomerbahnen.

Hier halten 53,97% der Befragten eine dauerhafte Abdichtung für möglich,
18,83% für nicht möglich.
23,43% für nur eingeschränkt möglich und
3,77% enthielten sich bei der Abstimmung. Summa: Hier hält die Mehrheit eine dauerhafte Verbindung für möglich.

Meine Meinung:
Hier ist nach meinen Erfahrungen eine, jedoch vom verwendeten Material abhängige, dauerhafte Verbindung möglich. Dabei müssen die Materialbestandteile beider Abdichtungen gleich oder ähnlich sein, genauso wie die chemischen und physikalischen Eigenschaften. Es gibt aber auch Unverträglichkeiten unter den Kunststoffen und deren Weichmachern, darauf ist zu achten. Man kann nicht einfach eine Kunststoff-art mit einer anderen verbinden. Das funktioniert nicht einmal mit dem HF-Verfahren. Ergebnis: Man kann Flüssigfolien schon als Notabdichtung bei Anschlüssen verwenden, für eine dauerhafte Abdichtung sollte man aber andere Materialien einsetzen.

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Maurermeister, staatlich geprüfter Bautechniker, Energieberater, SIGE-Koordinator,
Sicherheitstechniker nach BauBG (VBG 122) Arbeitssicherheitsgesetz
Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Maurer-, Beton- und …

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